Quantitative Sozialforschung
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Texte 41 bis 50

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Text Nr. 41 Peter H. Hartmann, Universität Düsseldorf

1) Die Mechanismen der Evolution von Kooperation und von Normen in wiederholt gespielten Prisoners-Dilemma-Situationen:

In der Erforschung dieser Mechanismen liegt ein großer Fortschritt gegenüber funktionalistischen Ansätzen, die etwa Normbildung nur über die Funktion von Normen "erklären" konnten.

2) Die Typisierung von Wohlfahrtsstaaten und die Nutzung dieser Typen zum Verständnis struktureller Besonderheiten dieser Staaten:

Die typologischen Ansätze von Esping-Andersen erweisen sich als extrem nützliches heuristisches Element in der Begründung, weshalb Reformen bestimmten Bereichen in machen Ländern so schwer sind.

3) Die Charakterisierung von Mobilitätsregimes in der vergleichenden Mobilitätsforschung:

Die analytische Schärfe der Mobilitätsforschung erlaubt die Formulierung und Prüfung differenzierter Aussagen zur Mikrostruktur sozialen Wandels.

4) Die Aufklärung der strukturellen Ursachen von Chancenungleichheit (zum Beispiel) im deutschen Bildungssystem:

Die Trennung der Effekte von Ethnizität, Migrationshintergrund, Klassenzugehörigkeit, Einkommen und anderer Aspekte des Elternhauses auf den Bildungserfolg könnte – obgleich die politische Bereitschaft offensichtlich kaum besteht – eine rationale Optimierung des Bildungssystems erleichtern.

5) Die Erklärung familiärer Ereignisse (Familienbildung und Familienauflösung) mit dazu geeigneten Methoden:

Die ereignisanalytische Methodologie erlaubt angemessene Untersuchungen zur Frage, weshalb sich Familien bilden und warum sie sich wieder auflösen.


Text Nr. 42nach oben

Also beteilige ich mich doch, ziemlich nachdenklich, weil ich ja der Meinung bin, dass sich gerade bei uns in der Soziologie - würde man sich an die Überlegungen von Simmel vor 100 Jahren halten - die Formen nicht so sehr ändern, in denen wir Gesellschaft verstehen. Aber mich freut der Impetus, und so versuche ich es.

1. Nationalismus als soziologisches Phänomen Und weder als historische noch als politlologisceh Kategorie): Ernest Gellner, Benedict Anderson, Anthony Smith und die Folgen

2. Castels und die Folgen

3. Die Theorien von heissem und kaltem Gedächtnis (Charles Maier) in Verbindung mit der Erinnerungstheorie von Assmann u.a. (der Dammbruch der historiographischen Abschottung).

4. Soziologie als System der Verbindung post-kolonialer/imperialer (kritischer) Anthropologie und Politik
(das ist meine eigenes Forschunsgebiet, ich denke, wir haben mit der Interventions-Soziologie auch etwas in die Welt gesetzt, das sich da einigermassen entwickeln wird).


Text Nr. 43nach oben

Fünf zentrale Erkenntnisse der Soziologie

  1. Emergente Effekte (d.h. zahlreiche soziale Phänomene haben den Charakter von unbeabsichtigten Folgen absichtsvollen Handelns von miteinander verschränkten Individuen)

    Begründung: Widerspricht dem Alltagsverständnis, das in der Regel nach dem Muster von Verschwörungstheorien funktioniert.

  2. Gefangenen-Dilemma

    Begründung: Charakterisiert die Basiskonstellation zahlreicher gesellschaftlicher Probleme.

  3. Thomas-Theorem:

    Begründung: Ist die Basis für die Sichtweise, dass soziale Wirklichkeit vielfach sozial konstruiert ist.

  4. Homo Sociologicus

    Begründung: Eröffnet eine neue Sichtweise auf das "Funktionieren von Individuen" und ist eine Art Aha-Erlebnis für Anfänger/innen der Soziologie.

  5. SEU-Theorie (=Wert-Erwartungs-Theorie)

    Begründung: Basistheorie zum Verständnis individuellen Handelns.

Text Nr. 44nach oben

  1. Olsons Erkenntnisse über die Produktion von Kollektivgütern
  2. Axelrods Argument, dass Kooperation unter rationalen Egoisten möglich ist, wenn der Schatten der Zukunft genügend lange ist.
  3. Leibensteins / Beckers Erkenntnis bzgl. der Bedeutung von Opportunitätskosten für menschliches Verhalten.

Text Nr. 45nach oben

Hier meine (zeitbedingt kurze) Antwort auf Ihre Anfrage im Rahmen Ihres sehr interessanten Projektes. Aufgrund meiner Arbeitsschwerpunkte sind es Erkenntnisse, die auch ueber die Soziologie hinausreichen bzw. eine andere disziplinaere Provenienz haben, aber in der soziologischen Forschung m.E. ueberaus relevant waren/sind:

  • Der cultural turn als Schritt nach dem linguistic turn,
  • die Modernisierungstheorie und die substantielle Kritik an ihr,
  • das poststrukturalistische Denken und seine sowohl epistemologisch-methodologischen als auch sozialwissenschaftlichen Implikationen
  • Bourdieus Habituskonzept und seine anleitende und inspirierende Funktion in der empirischen Forschung,
  • die Unabschliessbarkeit der Debatten wie z.B. der Erklaeren-Verstehen-Debatte oder des Positivismusstreits.

Text Nr. 46nach oben Dirk Baecker, Zeppelin University

1) Die Orthogonalität statischer und dynamischer Aspekte der Gesellschaft (A. Comte, T. Parsons, N. Luhmann): Der sachliche Zusammenhang der Gesellschaft lässt sich nicht auf den zeitlichen zurückführen und umgekehrt. Das gibt der Gesellschaft ihren sozialen Spielraum und der Soziologie ihre Problemstellung.

2) Der Streit als Ordnung der Gesellschaft (G. Tarde, G. Simmel): Die Einsicht, dass auch der Streit vergesellschaftet, löst die Soziologie aus den normativen Voreinstellungen ihres Gegenstandes und öffnet sie für eine reichhaltige empirische Forschung.

3) Die Ambivalenz der Modernisierung als Rationalisierung (M. Weber): Mit dieser Einsicht wird die Soziologie reflexiv, weil sie sich fragen muss, welche Rolle ihre Einsichten in der weiteren Entwicklung der Gesellschaft spielen. Überdies gewinnt sie Unabhängigkeit gegenüber politischen und revolutionären Projekten ihrer Zeit.

4) Die Reflexivität der Kommunikation (G.H. Mead, E. Goffman): Die Einsicht, dass die Kommunikation auf die Teilnehmer an der Kommunikation (Mitteilende wie Verstehende) zurückwirkt, etabliert die Kommunikation als emergentes Phänomen und befreit sie damit aus der ausschließlichen Rückbindung an die Intentionen der Teilnehmer.

5) Kommunikationsmedien (T. Parsons, N. Luhmann): Dass es Kommunikationsmedien (Verbreitungs- und Erfolgsmedien) gibt, ist vielleicht die einzige wirkliche Entdeckung der Soziologie im 20. Jahrhundert. Dass Medien für die moderne Gesellschaft eine ähnliche Strukturfunktion erfüllen wie die soziale Schichtung für die traditionelle Gesellschaft, ist eine Einsicht, deren Reichweite möglicherweise noch nicht einmal ausgereizt ist, zumal sie die Voraussetzungen dafür bieten könnte, der Soziologie Anschluss an die aktuellen Fragestellungen der Kognitionsforschung zu geben.


Text Nr. 47nach oben

Aus meiner Sicht ist die zentrale soziologische Erkenntnis auf der letzten Seite des Objektivitätsaufsatzes von Max Weber formuliert:

"Aber irgendwann wechselt die Farbe: die Bedeutung der unreflektierte verwerteten Gesichtspunkte wird unsicher, der Weg verliert sich in der Dämmerung. Das Licht der großen Kulturprobleme ist weiter gezogen. Dann rüstet sich auch die Wissenschaft, ihren Standort und ihren Begriffsapparat zu wechseln und aus der Höhe des Gedankens auf den Strom des Geschehens zu blicken."


Text Nr. 48nach oben Wolfgang Gabbert, Universität Hannover

Anbei meine Vorschläge:

  1. integrative Funktionen sozialer Konflikte (Georg Simmel und Lewis Coser),
  2. Konstruktionscharakter von Ethnizität (Max Weber, Georg Elwert)
  3. Unterscheidung Klasse an sich/Klasse für sich, d.h. Kategorie/Gruppe (u.a. Karl Marx
  4. Systemcharakter der "modernen" Welt (Immanuel Wallerstein)

die genannten Erkenntisse sind m.E. von größter Bedetung für die sozialwissenschaftliche Analyse, zugleich von praktisch-politischer Relevanz und stehen in Gegensatz zum Alltagsbewusstsein bzw. überkommenen Denkformen.


Text Nr. 49nach oben

"Nichts ist trügerischer als eine offensichtliche Tatsache"
(zwar Shellock Holmes an Dr. Watson, aber doch nahe am Thomas-Theorem)

"Nichts liegt in der Natur, sondern allenfalls in der Kultur der Sache"
(fand als analoge Einsicht auch schon Niederschlag im "Wider die Sachzwänge" der JUSOs in der Folge der Studentenbewegung)


Text Nr. 50nach oben

Die wohl fundamentalste Erkenntnis verdanken wir Aristoteles: zoon politikon. Dieses Axiom machte eine vergleichende Untersuchung von Gesellschaften und deren Entwicklungen denkmöglich, zunächst "Historie" genannt, aus der sich im 19. Jh. Soziologie, Kulturanthropologie etc. herausdifferenzieren konnten.


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